Wie wird die Zukunft?

Warum gute Beteiligung heute Zukunftskompetenz braucht

Ein Beitrag von Ilka von Eynern

Die Zukunft lässt sich nicht gut vorhersagen. Aber sie lässt sich gemeinsam denken. Der Beitrag zeigt, warum Zukunftskompetenz zu einer zentralen Fähigkeit in Beteiligungsprozessen wird und wie daraus Orientierung, Verständigung und Handlung entstehen.

Zwei Frauen stehen auf einer Leite. Sie hängen ein Plakat mir silbener Schrift "Zukunft" über einer Tür auf.
„Wie wird die Zukunft?“ 

Diese Frage begegnet uns ständig. Ob in Projekten, in politischen Debatten oder in der Stadtentwicklung: Wir arbeiten in Beteiligungsprozessen oft an offenen Fragen. Wie wollen wir künftig wohnen, uns bewegen, zusammenleben? Auch wir haben diese Fragen lange selbstverständlich gestellt.  Produktiver ist eine andere Frage: „Wie kann es weitergehen?“ Gerade deshalb braucht Beteiligung Verfahren, die nicht nur Meinungen abfragen, sondern Menschen dabei unterstützen, gemeinsam über Zukunft nachzudenken. 

Junge Frau, schwarzer Rollkragenpulli, braune lange Haare über der rechten Schulter.

Zukunft entsteht dort, wo Menschen mitdenken und mitgestalten.

Ilka von Eynern
Senior-Beraterin und M. A. Urbane Zukunft

Für uns beginnt Zukunftskompetenz mit einer einfachen Einsicht: Es gibt nicht die eine Zukunft. Es gibt unterschiedliche mögliche, wahrscheinliche und wünschbare Zukünfte. Diese Perspektive ist heute besonders wichtig. Unsere Welt ist nicht nur schneller geworden, sondern vor allem komplexer: Technologische Entwicklungen, wirtschaftliche Dynamiken, politische Entscheidungen und gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen sich gegenseitig. Dadurch werden Entwicklungen schwerer vorhersehbar. Und Entscheidungen wirken oft dort, wo wir ihre Folgen zunächst gar nicht vermuten. Menschen in Beteiligungsprozessen bewegen sich immer zwischen Gegenwart und Zukunft. Sie gestalten Prozesse mit, deren Auswirkungen oft erst Jahre später sichtbar werden. Gleichzeitig befassen sie sich mit Plänen für das Jahr 2050 und entwickeln Ideen für Orte, die es in dieser Form noch gar nicht gibt. Sie bringen Unsicherheit, Sorgen und feste Erwartungen mit. Genau darin liegt die Herausforderung für Beteiligung: Menschen sprechen heute über etwas mit, das noch nicht feststeht und sollen trotzdem tragfähige Entscheidungen treffen.

Der Schlüssel: Die Zukunft für die Gegenwart nutzbar machen

Wir verstehen den Austausch über unterschiedliche Zukünfte als Werkzeug für Entscheidungen in der Gegenwart. 

Denn die Bilder, die wir von Zukunft haben, beeinflussen:

  • was wir für möglich halten
  • welche Risiken wir ernst nehmen
  • und welche Chancen und Veränderungen wir wahrnehmen, unterstützen oder ablehnen

Dafür nutzen wir Formate, in denen über Zukünfte gesprochen werden kann: „Was wäre, wenn…?“–Fragen, Perspektivwechselkarten, Runden zu wünschenswerten Zukünften, Postkarten aus der Zukunft oder Zeitkapseln. So schaffen wir Räume, die Unsicherheiten nicht ausblenden, sondern Menschen ermöglichen, Zweifel zu benennen und zugleich kreativ über neue Möglichkeiten nachzudenken. 

Entscheidend ist dabei ein Perspektivwechsel: Teilnehmende sind nicht nur Betroffene, sondern auch Expert*innen ihres Alltags. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Gerade deshalb zählt nicht nur Fachwissen, sondern auch Erfahrungswissen. Wenn niemand die eine richtige Antwort hat, wird Beteiligung nicht zur Nebensache, sondern zu einer echten Ressource.

Junge Frau, schwarzer Rollkragenpulli, braune lange Haare über der rechten Schulter.

Gute Beteiligung fragt nicht nur: Was ist? Sondern: Was kann werden?

Ilka von Eynern
Senior-Beraterin und M. A. Urbane Zukunft

Vom Zukunftsbild zur Handlung

So kraftvoll Zukunftsbilder auch sind: Ihren Wert entfalten sie erst, wenn sie in Handlungen übersetzt werden. Entscheidend ist deshalb die Frage: Welche Zukunft halte ich für wünschenswert – und was bedeutet das für mein Handeln heute?

Für Beteiligungsprozesse bedeutet das: Die Frage nach Zukunftsbildern darf nicht nur als kreative Aufgabe mitlaufen. Sie muss aktiv Teil des Verfahrens sein. Formate, die mit Szenarien, Zukunftscollagen oder „Was-wäre-wenn“-Fragen arbeiten, schaffen einen Rahmen, in dem Menschen Bedenken ansprechen, Perspektiven wechseln und gemeinsam weiterdenken können. Statt nur auf aktuelle Probleme zu reagieren, entwickeln Bürger*innen gemeinsam Vorstellungen davon, wie es weitergehen kann.

Bei Zebralog schaffen wir Räume, in denen Zukunft als etwas erlebt werden kann, das offen, gestaltbar und von unterschiedlichen Vorstellungen geprägt ist. Wenn diese Haltung in Beteiligungsprozessen spürbar wird, verändert sich auch die Qualität der Debatte:

  • Konflikte werden verständlicher 
  • Unterschiedliche Perspektiven werden sichtbarer
  • Zielkonflikte lassen sich klarer benennen 
  • Entscheidungen werden nachvollziehbarer  
  • Zukunft wird zum gemeinsamen Arbeitsfeld
Junge Frau, schwarzer Rollkragenpulli, braune lange Haare über der rechten Schulter.

Wir schaffen Räume für Perspektivwechsel, Orientierung und Zukunft.

Ilka von Eynern
Senior-Beraterin und M. A. Urbane Zukunft

Auch uns im Team begleitet die Frage, welchen Beitrag wir leisten wollen und was wir verändern müssen, um handlungsfähig zu bleiben. Welche Zukunft wollen wir selbst mitgestalten? Das war nicht immer einfach. Dieser Prozess hat uns in unserer Haltung bestärkt: Wir wollen Beteiligung so gestalten, dass Menschen Zukunft nicht nur erleben, sondern mitdenken und mitgestalten können. Wir wollen Räume schaffen, in denen Zukunft als offen, gestaltbar und vielfältig erfahrbar wird. 

Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen. Aber Beteiligung kann dazu beitragen, dass wir ihr nicht passiv begegnen, sondern sie gemeinsam gestalten.

Wir haben Ihr Interesse geweckt?

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