Wessen Sicherheit zählt?
Dario sucht nach neuen Wegen, über Sicherheit in der Stadt zu sprechen
Unser Kollege Dario beschäftigt sich damit, wie wir besser über Sicherheit in der Stadt sprechen können ohne Menschen vorschnell zum Problem zu machen. Im Interview geht es um öffentliche Räume, soziale Ungleichheit und die Frage, wie Beteiligung Perspektiven einbeziehen kann, die sonst oft fehlen.
Stadt Krefeld Presse und Kommunikation, Andreas Bischof
Beteiligung wird dort besonders spannend, wo gesellschaftliche Konflikte im Alltag spürbar werden
Dario interessiert Beteiligung besonders an Orten, an denen gesellschaftliche Konflikte konkret werden. Nicht abstrakt, nicht nur in politischen Debatten, sondern dort, wo Menschen im Alltag aufeinandertreffen: auf Plätzen, in Parks, auf Straßen und an anderen öffentlichen Orten.
„Ich nähere mich dem Thema der sozialen Gerechtigkeit über Räume“, sagt Dario. „An diesen Orten zeigen sich gesellschaftliche Konflikte.“
Ein Spielplatz ist beispielsweise nie nur ein Spielplatz. Hier zeigt sich, wessen Anwesenheit als Problem gilt: Kinder spielen laut. Jugendliche nutzen den Ort ebenfalls. Dadurch meiden manche Kinder den Platz. Oder obdachlose Menschen halten sich dort auf, weil sie keinen anderen Aufenthaltsort haben.
Für Dario sind das Räume, in denen gesellschaftliche Konflikte sichtbar werden. Dort zeigen sich soziale Probleme, die wir als Gesellschaft oder als Stadtgesellschaft haben. Viele Menschen diskutieren diese Konflikte unter dem Begriff „Sicherheit“. So war es in seiner Masterarbeit, und so begegnet ihm das Thema auch in Projekten wie den „Stadtdenker:innen“ in Krefeld.
Genau daran setzt sein Interesse an: Können wir für solche Situationen andere Zugänge schaffen? Können wir Räume für Gespräche schaffen? Können wir dort über Angst, Unsicherheit und Nutzungskonflikte sprechen? Können wir zugleich die sozialen Ursachen thematisieren? Und können wir dabei vermeiden, direkt in diskriminierende Zuschreibungen zu gehen?
Im besten Fall, sagt Dario, kommt man mit den Menschen ins Gespräch, die diese Orte nutzen. Nicht nur über Menschen sprechen, sondern mit ihnen. Das gelingt nicht immer. Aber genau darin liegt für ihn ein wichtiger Anspruch von Beteiligung.
Beteiligung macht sichtbar, was sonst nicht zur Sprache kommt
Beteiligung macht aus Darios Sicht unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Gerade dann, wenn es keine einfachen Antworten gibt.
Häufig läuft Beteiligung so, dass Fachbereiche bestimmte Lösungen mitbringen. Da muss eine Beleuchtung hin oder hier muss mehr durch die Polizei und das Ordnungsamt bestreift werden. An anderer Stelle soll ein Platz anders gestaltet werden. Dario interessiert, wie Menschen unterschiedliche Ansätze diskutieren.
In Krefeld zum Beispiel wurde deutlich: Die üblichen Lösungen passen vielleicht nicht überall. Also ging es darum, genauer hinzuschauen. Wo fühlen sich Menschen besser? Wo schlechter? Wie bewerten sie unterschiedliche Maßnahmen?
Die Beteiligten brachten Vorschläge ein und diskutierten sie gemeinsam. Zum Beispiel die Idee eines Safe Space: ein Ort oder eine Telefonnummer, an die man sich wenden kann, wenn man sich unsicher fühlt. Oder ein Team, das unterstützen kann. Oder auch die Frage, ob ein Platz nachts abgeschlossen werden sollte. Für die Verwaltung überraschend sprachen sich die anwesenden Bürger*innen gegen das nächtliche Abschließen des Platzes aus.
Gerade an solchen Punkten wird Beteiligung konkret. Denn dann kommen Rückmeldungen von Menschen, die den Ort kennen und nutzen. Manche sagen dann: Für diesen Ort ist das keine gute Lösung, hier brauchen wir etwas anderes. Dadurch entstehen neue Ideen, die ohne diesen Austausch fehlen würden.