Unsichtbares sichtbar machen
Fünf Erkenntnisse aus sechs Stadtforen zu Berlins Infrastrukturen
Was hält eine Stadt eigentlich am Laufen, auch dann, wenn wir es im Alltag kaum sehen? In sechs Stadtforen Berlin haben wir gemeinsam mit Fachleuten aus Verwaltung, Planung, Politik, Wissenschaft, Infrastrukturunternehmen und Stadtgesellschaft genau diese Zusammenhänge in den Blick genommen.
Manche Themen der Stadtentwicklung liegen auf der Hand. Wohnen zum Beispiel. Verkehr. Öffentlicher Raum. Grünflächen. Es sind Themen, zu denen viele Menschen einen unmittelbaren Bezug haben und zu denen entsprechend viel gesagt, gestritten und verhandelt wird.
Andere Themen sind mindestens genauso wichtig, stehen aber deutlich seltener im Rampenlicht. Technische, soziale und ökologische Infrastrukturen, von Wasser und Energie über Schulen und soziale Einrichtungen bis zu grünen und blauen Netzen, sichern das Funktionieren der Stadt. Sie konkurrieren um knappe Flächen, sind voneinander abhängig und werden dennoch häufig in getrennten Zuständigkeiten geplant. Sichtbar werden sie oft erst, wenn sie fehlen, überlastet sind oder miteinander in Konflikt geraten.
Genau hier setzte die jüngste Reihe des Stadtforums Berlin an. Im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen begleitete Zebralog sechs Veranstaltungen konzeptionell, organisatorisch und kommunikativ. Die Foren nahmen nacheinander Wasser, urbanes Grün, Kreislaufwirtschaft, soziale Infrastruktur und Energie in den Blick. Im abschließenden Stadtforum ging es darum, diese Systeme zusammenzudenken und ihre Wechselwirkungen auf der Ebene von Quartieren und konkreten Projekten sichtbar zu machen.
Unser wichtigstes Learning aus der Reihe: Fachwissen allein verbindet noch keine Systeme. Dafür braucht es bewusst gestaltete Räume, in denen unterschiedliche Zuständigkeiten, Erfahrungen und Perspektiven produktiv aufeinandertreffen.
Ein traditionsreiches Format mit neuem Profil
Das Stadtforum Berlin hat eine lange Tradition. Seit den 1990er Jahren wird es genutzt, um über aktuelle Fragen der Stadtentwicklung zu diskutieren. Dabei hat sich das Format immer wieder verändert – mit den politischen Schwerpunkten der jeweiligen Stadtentwicklungspolitik, mit neuen Herausforderungen der Stadt und mit veränderten Erwartungen an Dialog und Beteiligung.
Für die nun abgeschlossene Reihe galt es, ein eigenes Profil zu finden. Der Anspruch war nicht, erneut jene großen, oft besprochenen Leitthemen der Stadtentwicklung zu verhandeln, zu denen Positionen, Konfliktlinien und Argumente vielfach ausgetauscht sind. Stattdessen rückten Themen in den Fokus, die in der öffentlichen Debatte häufig weniger Aufmerksamkeit erhalten: Infrastrukturen, die im Alltag selbstverständlich erscheinen, in Planung und Umsetzung aber hochkomplex sind.
Damit erhielt das Stadtforum einen deutlichen fachlichen Schwerpunkt. Es brachte Menschen zusammen, die aus unterschiedlichen institutionellen und praktischen Perspektiven an Berlins Infrastrukturen arbeiten: aus Verwaltung und Politik, Planung und Architektur, Wissenschaft und Praxis, Bezirken, Infrastrukturunternehmen, landeseigenen Unternehmen, Fachinstitutionen und Stadtgesellschaft.
Der Anspruch war: nicht nur Probleme beschreiben, sondern Lösungsräume öffnen. Nicht nur Zuständigkeiten nebeneinanderstellen, sondern Schnittstellen sichtbar machen. Nicht nur über Infrastruktur sprechen, sondern diejenigen miteinander ins Gespräch bringen, die Infrastruktur planen, bauen, betreiben und weiterdenken.