Stadtdenker:innen Krefeld

Plätze werden zu Gesprächsorten

Ein Beitrag von Dario Pösse und Rebecca Peters

Bei den Stadtdenker:innen Krefeld kamen 40 Menschen aus dem Quartier zusammen, um über Plätze, Sicherheit und neue Orte der Begegnung zu sprechen. Teilnehmerin Mira nimmt uns mit in die Veranstaltung und erzählt von einem Abend, an dem es um die Menschen ging, die öffentliche Räume nutzen, prägen und miteinander teilen.

Eine Gruppe von Menschen steht in einem Veranstaltungsraum um einen großen Tisch und diskutiert gemeinsam über Pläne, Karten und Notizen. Mehrere Personen zeigen auf die Unterlagen, andere schauen konzentriert zu. Die Szene wirkt wie eine Beteiligungswerkstatt, in der Ideen für die Stadt- oder Quartiersentwicklung gesammelt und besprochen werden.

Als Mira an diesem Abend den Raum betrat, war ihr schnell klar: Hier würde es nicht nur um Pflastersteine, Sitzbänke oder neue Wegeführungen gehen. Vierzig Menschen aus dem Quartier waren gekommen, um über ihre Stadt nachzudenken. Über Orte, die sie täglich sehen. Über Plätze, die sie nutzen, meiden oder verändern möchten. Über Sicherheit, Kultur und die Frage, was ein öffentlicher Raum eigentlich leisten muss.

Die Veranstaltung Stadtdenker:innen Krefeld war als Beteiligungswerkstatt angelegt. Nach einem einführenden Input verteilten sich die Teilnehmenden auf vier Dialogstationen. Mira beobachtete, wie sich die Gruppen langsam sortierten: manche entschlossen, andere zögernd, viele neugierig. Dann begannen die Gespräche.

An der Station zum Platz ohne Namen und zum Platz an der Seidenstraße/Alte Linner Straße zeigte sich schnell, wie vielschichtig Stadtgestaltung ist. Eigentlich sollte es um den Umbau und die Gestaltung der Plätze gehen. Doch Mira fiel auf, dass sich das Gespräch häufig weniger um konkrete Ideen drehte als um die Menschen, die sich dort vermeintlich aufhalten. Sie spürte, wie wichtig Moderation in diesem Moment war: Der Blick musste zurück auf einen respektvollen Austausch gelenkt werden. Beteiligung, dachte Mira, darf nicht über Menschen sprechen, ohne sie einzubeziehen.

Gerade daraus entstand ein wichtiger Gedanke. Vielleicht braucht es eine aufsuchende Beteiligung direkt an den Plätzen. Dort, wo die Menschen tatsächlich sind. Welche Wünsche haben sie? Was fehlt ihnen? Was bedeutet Sicherheit für sie? Mira merkte an diesem Abend: Die sozialen Fragen rund um die Plätze sind mindestens so wichtig wie die architektonischen.

Auch beim Reallabor Mariannenstraße ging es schnell um mehr als um eine einzelne Straße. Fachliche Perspektiven halfen dabei, die Diskussion einzuordnen und Zusammenhänge besser zu verstehen. Zugleich wurde spürbar, wie wichtig es ist, Expertise gut in den Dialog einzubetten, damit möglichst viele Stimmen Raum bekommen. Für Mira lag genau darin eine zentrale Aufgabe von Beteiligung: Wissen zugänglich machen, ohne den offenen Austausch zu verlieren. Vertieft wurde hier vor allem das Thema soziale Sicherheit im öffentlichen Raum. Viele wünschten sich Orte, die nicht durch Kontrolle sicherer werden, sondern durch mehr Menschen, die sich dort aufhalten, begegnen und Verantwortung füreinander übernehmen.

An der Station rund um FREIraum21 war die Ausgangslage anders. Viele kannten den Ort noch nicht. Doch die konkrete Frage nach zukünftigen Nutzungen half, schnell ins Gespräch zu kommen. Was könnte dort entstehen? Wer sollte sich angesprochen fühlen? Welche Angebote braucht das Quartier? Mira hörte zu, wie aus anfänglicher Unkenntnis nach und nach Bilder im Kopf entstanden: ein Ort für Kultur, Begegnung und neue Formen des Miteinanders.

Das Thema Sicherheit für alle war schließlich so groß, dass die Zeit kaum ausreichte. Die Station brach es in konkrete Fragen, Hilfsangebote und Ideen herunter. Das half, konstruktiv zu bleiben. Sicherheit blieb nicht nur ein Gefühl, sondern wurde greifbarer: Wo braucht es bauliche Maßnahmen? Wo soziale Angebote? Wo mehr Präsenz und Kommunikation? Mira hatte den Eindruck, dass hier eigentlich genug Stoff für eine eigene Beteiligung lag.

Besonders hängen blieb ihr, wie unterschiedlich über mögliche Maßnahmen für mehr Sicherheit diskutiert wurde. Auch Vorschläge aus der Stadt stießen nicht automatisch auf Zustimmung, sondern wurden abgewogen, hinterfragt und teils kontrovers diskutiert. Für Mira erzählte dieses Ergebnis viel über den Abend. Sicherheit wurde nicht automatisch mit Abschottung gleichgesetzt. Viele suchten nach anderen Antworten: nach Offenheit, Belebung und gemeinsamer Verantwortung.

Am Ende verließ Mira die Werkstatt mit dem Eindruck, dass Beteiligung manchmal unbequem ist – und gerade deshalb wichtig. Sie macht sichtbar, wo Vorurteile auftauchen, wo Fragen offenbleiben und wo Stadtentwicklung mehr sein muss als Gestaltung auf dem Papier.

Für Mira haben die Stadtdenker:innen Krefeld gezeigt: Wer über Plätze spricht, spricht auch über Zugehörigkeit. Wer über Sicherheit spricht, spricht über Vertrauen. Und wer über Zukunftsorte im Quartier spricht, fragt immer auch, wer dort gesehen, gehört und eingeladen wird.

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