„Kannst du das noch schön machen?“

Klar. Aber Gestaltung kann mehr.

Ein Beitrag von Lea Kinkler

Unsere Kolleg*innen haben Steckenpferde: Themen, zu denen sie besonders gerne arbeiten, viel wissen, oder am liebsten befragt werden. Bei Lea ist es die Grafik. Genauer gesagt: die visuelle Begleitung unserer Beteiligungsprozesse. Unsere Mediengestalterin erzählt im Interview, warum Gestaltung mehr ist als „schön machen“, weshalb sie am liebsten schon im Brainstorming dabei ist und wie ihr Blick von außen dabei hilft, Beteiligung verständlicher zu machen.

Im Vordergrund hält eine Hand eine Postkarte ins Bild mit der Aufschrift "Willkommen im Wandel.Laden". Im Hintergrund ist das Ladenlokal des Wandelladens.
Lea, was gehört für dich alles zur visuellen Begleitung unserer Beteiligungsformate?

Ganz viele verschiedene Dinge. Manchmal geht es um die Gestaltung für ein Projekt selbst, also um eine Art Visitenkarte oder ein eigenes Corporate Design. Das finde ich immer besonders spannend, weil man einem neuen Projekt damit auch eine eigene Identität gibt.

Dazu kommen Bewerbungsmaterialien wie Plakate, Flyer, Social-Media-Posts oder digitale Grafiken. Und natürlich Arbeitsmaterialien, die vor Ort genutzt werden: Canvas, Arbeitsblätter, Rückmeldekarten, Umfragen und vieles mehr. Das hängt immer von der Veranstaltung und vom Format ab.

Genau das macht es für mich so interessant. Jede Veranstaltung fragt etwas anderes ab, jedes Format braucht eine andere Art von Material, manchmal auch einen ganz eigenen Stil. Diese bunte Reihe an Grafikprodukten macht total viel Spaß.

 

Warum ist Gestaltung in Beteiligungsprozessen mehr als „schön machen“?

Grafik sorgt im besten Fall erst einmal für Aufmerksamkeit. Wenn ich ein Plakat sehe oder online einen Post zu einer Veranstaltung, dann merke ich: Da findet etwas statt. Das könnte mich interessieren. Das ist wichtig.

Man vergisst schnell, wie viel Grafik und visuelle Eindrücke ausmachen. Sie sollen Menschen ansprechen, neugierig machen und im besten Fall auch Lust geben, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Wenn ich irgendwo hingehe und mich wohlfühle, dann hat das auch mit der Atmosphäre zu tun. Mit den Menschen, aber eben auch mit dem Material. Es macht einen Unterschied, ob etwas wertig wirkt, gut in der Hand liegt und ich Lust habe, damit zu arbeiten.

Gerade bei Workshops wird das manchmal unterschätzt. Gut gestaltetes Arbeitsmaterial, passende Bewerbung und eine ansprechende Dokumentation tragen am Ende viel zum Gesamtgefühl bei. Sie zeigen: Wir haben gemeinsam etwas erarbeitet. Und das Ergebnis sieht auch danach aus.

Trotzdem geht es nicht darum, Dinge einfach hübsch zu machen. Diesen Satz höre ich oft: „Lea, kannst du das noch schön machen?“ Aber eigentlich muss Gestaltung vor allem gut durchdacht sein.

Wenn eine Systematik dahinterliegt, ein Konzept, ein klarer Aufbau, dann funktioniert das Material. Inhalt und Gestaltung sollten dabei zusammenpassen. Erst dann entsteht ein rundes Bild.

Blonge Frau, schulterlange Haare, schwarzes Oberteil, Brille

Gutes Material trägt zur Atmosphäre bei. Es kann Lust machen, mitzuarbeiten, und zeigt am Ende: Wir haben gemeinsam etwas geschafft.

Lea Kinkler
Mediengestalterin
Warum bist du am liebsten schon beim Brainstorming dabei?

Weil ich dann wirklich in ein Projekt eintauchen kann und nicht nur oberflächlich dazu-komme. Ich kann aus meiner Perspektive etwas beitragen. Aus einer grafischen, aber auch aus einer eher außenstehenden Perspektive. Ich habe etwas anderes gelernt als viele andere Zebras und bin nicht so stark in der Stadtplanungs-Bubble unterwegs. Dadurch stelle ich andere Fragen und bringe manch-mal andere Gedanken ein. Wenn ich erst ganz am Ende dazukomme, ist oft schon sehr viel entschieden. Dann kann es passieren, dass ich denke: Da hätte ich vielleicht anders beraten. Deshalb ist es so hilfreich, von Anfang an mitzudenken, denn die Grafik sollte nicht erst am Ende mitge-dacht werden. Wenn ich früher dabei bin, bin ich auch näher am Projekt und auch näher am Team. Das macht die Arbeit einfach und mir persönlich auch mehr Spaß. Ich arbeite dabei nicht mit einem festen Fragenkatalog. Oft entstehen die Fragen aus dem Zuhören. Ich wiederhole dann, was ich verstanden habe, und prüfe: Habe ich das Projekt richtig erfasst? Daraus ergeben sich die nächsten Fragen fast von selbst. 

Wie hilft dir dein Blick von außen? 

Der Abstand zum Thema ist oft ein Vorteil. Im Brainstorming versetze ich mich oft in die Rolle von jemandem, der zu einer Veranstaltung kommt. Ich frage mich: Würde ich ver-stehen, worum es geht? Wüsste ich, was ich tun soll? Sind die Texte verständlich? Das ist eine besondere Mischung. Ich kenne die Grundidee von Beteiligung und weiß, wie unsere Formate funktionieren. Gleichzeitig kann ich noch mit einem gewissen Ab-stand auf Inhalte schauen. Gerade deshalb fallen mir komplizierte Formulierungen oder unklare Abläufe schnell auf. Viele Inhalte, mit denen wir arbeiten, sind anspruchsvoll. Umso wichtiger ist es, sie so aufzubereiten, dass möglichst viele Menschen mitkommen. Nicht nur diejenigen, die Fachwissen haben oder selbst aus dem Bereich kommen. Gestaltung kann dabei sehr viel leisten. Sie kann Inhalte ordnen, Orientierung geben und helfen, Dinge schneller zu erfassen. Für mich gehört das zusammen: Gestaltung, Verständlichkeit und ein klarer Aufbau. Die entscheidende Frage ist nicht, ob etwas schön aussieht. Die entscheidende Frage ist: Verstehen die Menschen, worum es geht, und können sie damit arbeiten?

Junge, blonde Frau, schulterlange Haare, schwarzes Oberteil, Brille

Gute Gestaltung macht Beteiligung verständlicher. Sie hilft Menschen, schneller zu er-fassen, worum es geht und wie sie sich einbringen können.

Lea Kinkler
Mediengestalterin
Was brauchst du von Projektteams, damit gute Gestaltung entstehen kann?

Zeit, Offenheit und Raum für Kreativität. Das geht im Alltag leider manchmal unter, weil Projekte natürlich an Vorgaben, Fristen und Bedingungen gebunden sind. Aber wenn man mich glücklich machen möchte, dann gibt man mir ein bisschen Zeit, um zu überlegen und Dinge auszuprobieren. Noch besser ist Offenheit für die Frage: Was könnten wir eigentlich machen? Mir macht es viel Spaß, Ideen gemeinsam auseinanderzunehmen und weiterzuentwickeln. Was funktioniert gut? Was passt noch nicht? Wo müssen wir nachschärfen? Dieser Austausch gibt mir oft noch einmal einen Push, etwas wirklich auszuarbeiten und besser zu machen. Besonders spannend wird es, wenn es um Produkte oder Formate geht, die wir nicht ständig machen. Dann entsteht Raum, neu zu denken und kreativer zu werden. 

Gibt es ein Projekt, bei dem für dich besonders viel zusammengekommen ist? 

Der Wandel.Laden in Eschweiler war für mich ein besonderes Projekt. Da ging es um eine gesamte Gestaltungsidentität, und das kommt in unseren Projekten nicht so häufig vor. Der Wandel.Laden ist ein Ladenlokal zum Thema Strukturwandel und Begegnung. Dafür sollte ein komplettes Design entstehen. Gemeinsam mit den Kund*innen bin ich in den Gestaltungsprozess gestartet: Was brauchen sie? Was stellen sie sich vor? Welche Richtung passt zu diesem Ort? Daraus habe ich verschiedene Gestaltungswege entwickelt, und am Ende sind wir gemeinsam zu einem Ergebnis gekommen. Dieses Projekt gehört zu meinen liebsten Ergebnissen. Ich hatte von Anfang an das Ge-fühl, dass dieser Gestaltungsweg der richtige ist. Zwischendurch kam zwar die Idee auf, ein Schaufelrad ins Logo zu integrieren, aber gemeinsam haben wir hinterfragt, ob das wirklich zum Konzept passt. Am Ende hat sich der Kunde bewusst für die ursprüngliche Idee entschieden und damit für die Lösung, die das Produkt am besten repräsentiert. Am Ende war es sehr schön zu sehen, dass sich die Mühe gelohnt hat. Ich konnte hinter der Gestaltung stehen und erklären, warum ich sie empfehle. Nicht nur, weil sie schön aussieht, sondern weil ein Konzept dahinterliegt. Das Logo ist später als Leuchtreklame bzw. als Schild produziert worden. Das hatte ich vorher noch nicht, dass ein von mir gestaltetes Logo so sichtbar im Raum auftaucht. Für mich war das ein sehr rundes Projekt. Es kam stark aus meiner eigenen Arbeit heraus, und ich freue mich immer, wenn es darum geht. 

Was würdest du gern noch ausprobieren? 

Ich würde gern mehr mit haptischem Material arbeiten. Also nicht nur mit Plakaten oder Stellwänden, sondern mit Gegenständen, Mobiliar oder räumlichen Elementen. Bei den Beteiligungshaltestellen der Regiotram ging es zum Beispiel darum, wie solche Din-ge aussehen können und wie Grafik damit zusammenspielt. Das finde ich spannend. Außerdem hätte ich große Lust auf ein Projekt in Bonn, also in meiner eigenen Stadt. Dann läuft man später durch die Stadt und sieht etwas, an dem man selbst mitgearbeitet hat. Dieser persönliche Bezug wäre schön. Generell würde ich gern mutiger werden mit den Produkten, die wir in Beteiligungsformaten anbieten. Was geht über Plakat und Stellwand hinaus? Welche Materialien können wir entwickeln? Wo können wir kreativer werden? Daran würde ich gern gemeinsam weiterarbeiten. 

Was macht gute visuelle Begleitung für Beteiligung aus? 

Gute visuelle Begleitung macht Beteiligung verständlicher. Sie hilft, Inhalte besser zu erfassen, gibt Orientierung und kann Lust machen, sich einzubringen. Für mich kommt Gestaltung nicht erst am Ende dazu. Sie gehört früher in den Prozess. Wir müssen gemeinsam fragen: Was soll ein Format leisten? Für wen ist es gedacht? Welche Informationen brauchen Menschen, um mitreden zu können? Und wie spielen Gestaltung, Material und Inhalt so zusammen, dass daraus ein rundes Bild entsteht? Dann ist Grafik nicht nur Beiwerk. Dann wird sie Teil des Beteiligungsprozesses.

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