Beteiligung für Demokratie: Wie analoge und digitale Formate Mitsprache stärken

Interview zu unserem Fachbereich Demokratie und Digitales

Ein Beitrag von Oliver Märker und Rebecca Peters

Im Voedergrund spielen Menschen mit Materialien auf einer Bodenplane. Dahinter sitzt eine hybride Diskussionsrunde. Im Hintergrund diskutieren Menschen an einem Plakat mit der Überschrift "Bürgerrat"

Demokratie lebt von Mitsprache. Doch wie diese Mitsprache organisiert wird, entscheidet darüber, ob Beteiligung Vertrauen schafft oder Frustration verstärkt. In einer zunehmend digitalen Gesellschaft stehen Institutionen vor der Herausforderung, Beteiligung zugänglich, verlässlich und dauerhaft zu verankern.

Der Fachbereich Demokratie und Digitales bei Zebralog arbeitet an genau dieser Schnittstelle. Wir verbinden analoge und digitale Formate, entwickeln Leitlinien und Standards und qualifizieren Organisationen darin, Beteiligung als strategische Kompetenz zu verstehen. Im Gespräch gibt Fachbereichsleiter Oliver Märker Einblick, wie Beteiligung demokratische Strukturen stärken kann – und warum gute Prozesse wichtiger sind als die Frage nach dem richtigen Tool.

 

Was heißt „Demokratie stärken“ bei Zebralog ganz konkret?

In unserem Fachbereich geht es vor allem um lokale Demokratie. Demokratie findet nicht nur bei Wahlen statt, sondern im Alltag zwischen den Wahlen. Gerade dort erreichen wir viele Menschen, die nicht wählen können, nicht wählen dürfen oder sich von klassischen politischen Prozessen nicht angesprochen fühlen.

Unsere Aufgabe ist es, Räume zu schaffen, in denen Bürger*innen sich zu Themen ihrer Lebenswelt, zu strategischen Fragen oder konkreten Planungen einbringen können. Diese Räume müssen dialogisch gestaltet sein: wertschätzend, offen und frei von Beschämung oder Empörung. Formate zu entwickeln, in denen echter Austausch möglich ist, verstehen wir auch als demokratischen Auftrag – gerade mit Blick auf Kräfte, die Demokratie infrage stellen oder schwächen wollen.

Gemeinsam mit unseren Auftraggeber*innen und der jeweiligen Community gestalten wir diese Räume so, dass Menschen sich ernst genommen fühlen und sich als politische Akteure wahrnehmen können – im Rahmen der repräsentativen Demokratie.

 
Warum braucht es analoge und digitale Beteiligung?

Wir denken Beteiligung seit jeher crossmedial. Menschen haben unterschiedliche Lebensrealitäten, Kommunikationsgewohnheiten und zeitliche Möglichkeiten. Analoge und digitale Formate ermöglichen es, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen – jung und alt, viel oder wenig Zeit, unterschiedliche soziale Hintergründe.

Dabei geht es nicht nur um Vielfalt, sondern um Passung: Manche Aufgaben lassen sich vor Ort besser bearbeiten, andere digital. Oft nutzen dieselben Menschen beide Formate – je nachdem, was zur Aufgabe passt. Digitale Beteiligung verändert Gesellschaft und Demokratie, und wir setzen uns bewusst damit auseinander, wie digitale Räume gestaltet werden können, ohne die Dynamiken klassischer sozialer Medien zu reproduzieren.

Unser Anspruch ist es, digitale Räume zu schaffen, in denen Wertschätzung und Dialog möglich bleiben – und diese sinnvoll mit analogen Begegnungen zu verbinden. Auch neue Technologien wie KI müssen dabei im Sinne unserer Werte reflektiert eingesetzt und begrenzt werden.

 
Warum sind Leitlinien, Standards und Strukturen so wirkungsvoll?

Leitlinien und Standards wirken über einzelne Projekte hinaus. Sie tragen dazu bei, Beteiligung dauerhaft in Organisationen zu verankern und Qualität zu sichern. Vor allem Verwaltungen profitieren davon, weil sie klare Orientierung erhalten und Beteiligung professioneller umsetzen können.

Gleichzeitig verändern solche Prozesse die Haltung: Beteiligung wird nicht mehr als Pflichtaufgabe verstanden, sondern als wertvoller Bestandteil guter Verwaltungspraxis. Partizipationsaffine Akteur*innen werden gestärkt, Abstimmungen effizienter, Ressourcen gebündelt – etwa durch gemeinsame Plattformen, Methoden oder klare Prozesse für externe Unterstützung.

Nicht alles lässt sich standardisieren, aber gut gemachte Strukturen erleichtern Beteiligung erheblich.

 
Wie kann Beteiligung langfristig in Organisationen verankert werden?

Ein gutes Beispiel ist die Stadt Köln. Dort wurden früh Leitlinien entwickelt, die sowohl in der Verwaltung als auch in der Stadtgesellschaft ein gemeinsames Verständnis von guter Beteiligung geschaffen haben. Parallel wurden konkrete Ressourcen aufgebaut, etwa ein Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung.

Diese Stelle unterstützt Fachämter, stellt Tools, Plattformen, Leitfäden und Checklisten bereit und sorgt dafür, dass Beteiligung gesamtstädtisch umgesetzt werden kann. Dadurch ist Beteiligung sichtbarer, transparenter und effizienter geworden – und qualitativ deutlich besser als noch vor einigen Jahren.

 
Woher kommt der Respekt vor Beteiligung – und was steckt dahinter?

Ein häufiges Missverständnis ist die Sorge vor einer „Inflation der Beteiligung“. Die Erfahrung zeigt jedoch: Mehr Beteiligung entsteht nicht wegen Leitlinien, sondern weil Gesellschaft Beteiligung einfordert. Politik und Verwaltung müssen ohnehin zwischen den Wahlen zuhören.

Leitlinien machen Beteiligung zunächst anspruchsvoller – qualitativ und organisatorisch. Das ist anstrengend und erfordert Investitionen. Kommunen berichten aber, dass Beteiligung mit der Zeit klarer, effizienter und besser nutzbar wird. Gleichzeitig wird sie von der Bevölkerung stärker wertgeschätzt.

Beteiligung ist Dialog mit Menschen. Wer sie ernst meint, muss Qualität liefern. Dafür braucht es Lernprozesse – aber auch die Bereitschaft, sich über Fortschritte zu freuen.

 
Persönlich gefragt: Was treibt dich an, dich mit Demokratie, Beteiligung und digitalen Formaten zu beschäftigen?

Mich treibt an, dass Demokratie zunehmend unter Druck gerät – durch gesellschaftliche Entwicklungen, Polarisierung und digitale Dynamiken. Umso wichtiger ist es, im Gespräch zu bleiben und Räume für wertschätzenden Austausch zu schaffen.

Zuversicht ist dabei ein zentrales Ziel. Nicht als Haltung auf dem Papier, sondern als gelebte Praxis – nach innen und nach außen. Diese Werte prägen unsere Arbeit bei Zebralog. Wenn es gelingt, sie in Beteiligungsprozessen spürbar zu machen, dann ist das für mich der größte Antrieb.

 

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