Beteiligung in der Stadt- und Regionalentwicklung: Wie Interessen zu tragfähigen Lösungen werden

Interview zu unserem Fachbereich Stadt- und Regionalentwicklung

Ein Beitrag von Sarah Ginski-Thiele und Rebecca Peters

Viele Menschen gehen über einen Stadtplatz, unterhalten sich und beteiligen sich an unterschiedlichen Stationen

Städte und Regionen verändern sich nicht von selbst. Sie werden geplant, verhandelt, verteidigt und neu gedacht – oft über viele Jahre hinweg. Dabei treffen unterschiedliche Interessen aufeinander: Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Mobilität, Klima, Wirtschaft. Beteiligung kann in diesen Prozessen viel bewirken. Oder wirkungslos verpuffen.

Bei Zebralog verstehen wir Beteiligung in der Stadt- und Regionalentwicklung als Instrument, um Interessen sichtbar zu machen und tragfähige Lösungen zu ermöglichen. Nicht punktuell, sondern kontinuierlich. Nicht als Begleitprogramm, sondern als integralen Bestandteil von Planung. Im Gespräch mit Fachbereichsleiterin Sarah Ginski-Thiele geben wir Einblick in unsere Haltung, unsere Arbeitsweise und die Frage, wann Beteiligung tatsächlich Wirkung im Raum entfaltet.

 

Wofür steht Stadt- und Regionalentwicklung bei Zebralog?

Stadt- und Regionalentwicklung bei Zebralog steht für wirkungsvolle Prozesse, die tatsächlich Veränderungen im Raum hervorrufen. Es geht darum, Lebenswelten langfristig zu verbessern – auch wenn diese Prozesse Zeit brauchen. Beteiligung soll dabei nicht verpuffen, sondern ernsthaft dazu beitragen, dass sich Städte, Quartiere und Regionen spürbar verändern.

Unser Anspruch ist es, Beteiligung so zu gestalten, dass sie genau dort ansetzt, wo sie Wirkung entfalten kann. Das bedeutet auch, sich immer wieder zu fragen: Wo können wir sinnvoll beteiligen – und wo nicht?

 

Stadt- und Regionalentwicklung ist voller Zielkonflikte. Welche Spannungen begegnen euch besonders häufig?

Planung ist ein hochkomplexes Feld. Es gibt Planungsrecht, Abhängigkeiten und Rahmenbedingungen, die nicht verhandelbar sind. Beteiligung ist deshalb kein „Wünsch-dir-was“, sondern bewegt sich innerhalb klarer Gestaltungsspielräume.

Eine zentrale Aufgabe besteht darin, diese Spielräume zu identifizieren, die richtigen Fragen zu stellen und ein realistisches Erwartungsmanagement zu betreiben. Teilnehmende müssen wissen, was gestaltbar ist – und was nicht. Das erfordert Offenheit auf allen Seiten.

Auch Planer*innen stehen hier vor einer Herausforderung: Sie bringen viel Fachwissen mit und haben manchmal das Gefühl, in Beteiligungsprozessen nichts Neues zu erfahren. Gleichzeitig entstehen gerade dort oft wichtige Hinweise – manchmal kleine, aber entscheidende Impulse, die Planung verbessern können.

 

Was macht Beteiligung in Stadt- und Regionalentwicklungsprozessen wirklich wirksam?

Wirksam wird Beteiligung dann, wenn sie ernst genommen wird und sichtbar in Entscheidungen einfließt. Menschen beteiligen sich nicht aus Langeweile, sondern weil sie sich engagieren und etwas bewirken wollen. Diese Selbstwirksamkeit muss erfahrbar sein.

Gleichzeitig zeigt sich Beteiligung oft zuerst dort, wo Veränderungen als Verlust wahrgenommen werden: weniger Parkplätze, mehr Verkehr, gefällte Bäume, veränderte Ausblicke. Positive Effekte wie neue Qualitäten im Stadtraum oder bessere Aufenthaltsqualität lassen sich im Vorfeld schwerer greifen. Genau hier braucht es gute Kommunikation und einen ehrlichen Umgang mit Zielkonflikten.

 

Langfristige Prozesse statt punktueller Beteiligung - Warum Kontinuität entscheidend ist

Punktuelle Beteiligung kann wichtige Impulse setzen – gerade in sehr langen Planungsprozessen. Ihre volle Wirkung entfaltet Beteiligung jedoch oft erst über Jahre hinweg.

Ein Beispiel ist das Projekt Pankower Tor. In einer frühen Ideensammlung äußerten viele Beteiligte deutliche Kritik an einer geplanten großen Einkaufs-Mall. Diese Hinweise wurden zunächst relativiert, später jedoch durch Gutachten bestätigt. In der Folge reduzierte der Investor die Einzelhandelsfläche deutlich und entschied sich für eine offene, quartiersbezogene Struktur.

Diese Kehrtwende war kein unmittelbares Ergebnis der Beteiligung allein, sondern entstand im Zusammenspiel von Beteiligung, Gutachten und Verwaltung. Ihre Wirkung zeigt sich erst mit zeitlichem Abstand. Genau deshalb ist es wichtig, Beteiligung nicht isoliert zu betrachten, sondern über den gesamten Prozess hinweg mitzudenken.

 

Welche Rolle spielen kreative Formate in der Beteiligung?

Kreative Formate helfen, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen. Sowohl Planer*innen als auch Bürger*innen kommen oft mit vorgefertigten Positionen in Beteiligungsprozesse. Methoden, die „um die Ecke denken“, ermöglichen es, sich davon zu lösen und neue Perspektiven zuzulassen.

Kreativität ist damit kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um echten Dialog überhaupt erst zu ermöglichen.

 

Was unterschätzen Auftraggeber*innen häufig an Beteiligung?

Häufig wird unterschätzt, wie viel Wissen und Reflexionsfähigkeit in der Bevölkerung vorhanden ist. Wenn die richtigen Fragen gestellt werden, entsteht wertvolles Schwarmwissen. Menschen sind keine pauschalen Nein-Sager – sie bringen differenzierte Sichtweisen ein, wenn Beteiligung ernsthaft und klug gestaltet ist.

 

Persönlich gefragt: Was motiviert dich an diesen komplexen Aushandlungsprozessen?

Stadtentwicklung hinterlässt Spuren – für viele Jahre. Alles, was heute diskutiert wird, prägt das Leben in der Stadt von morgen. An diesen Prozessen mitzuwirken, bedeutet Verantwortung zu übernehmen.

Mich motiviert genau das: zu wissen, dass Beteiligung reale Wirkung entfalten kann und dass wir mit unserer Arbeit dazu beitragen, Städte und Regionen lebenswerter zu gestalten.

 

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