Jörg Farys
Ausgangslage und Ziel
Im Rahmen der Berliner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele sollte die Stadtgesellschaft frühzeitig und strukturiert in die Entwicklung zentraler Inhalte einbezogen werden. Die Beteiligung war dabei eng mit den sechs Legacy-Handlungsfeldern der Bewerbung verknüpft, die Themen wie Sport, Bildung, Klimaschutz und Kultur zusammenführen und damit über das Sportereignis hinaus ein umfassendes Stadtentwicklungskonzept abbilden. Ziel des Prozesses war es, Hinweise, Erwartungen, Ideen und Bedenken aus unterschiedlichen Perspektiven aufzunehmen, zu bündeln und für die weitere Ausgestaltung der Bewerbung nutzbar zu machen.
Breite Beteiligung in der ersten Phase
In der ersten Beteiligungsphase fanden im Februar 2026 zwei Stakeholder-Workshops, eine Online-Beteiligung sowie eine berlinweite Kiez-Tour statt. In den Workshops entwickelten rund 40 Vertreter*innen aus öffentlicher Hand, landeseigenen Unternehmen, Wirtschaft, Interessenvertretungen, Zivilgesellschaft, Sport und Wissenschaft konkrete Maßnahmen, die Teil einer Olympiabewerbung werden könnten. Parallel dazu konnten Berliner*innen über das Beteiligungsportal mein.Berlin.de ihre Ideen, Sorgen und Wünsche einbringen. Neben einem Kartendialog zu Sportstätten und Fan-Orten gab es auch Raum, gezielt mögliche Auswirkungen und Kritikpunkte zu benennen. Mit der Kiez-Tour wurden Bürger*innen zusätzlich direkt in ihrem Alltag erreicht: An öffentlichen Orten wie Sporthallen, Bibliotheken oder Einkaufszentren in allen Berliner Bezirken entstanden Gespräche dort, wo Menschen ihre Zeit verbringen.
Empfehlungen aus Jugendforum und Bürgerforum
Im März wurden die Ergebnisse der ersten Phase in drei Bürgerforen mit 48 zufällig gelosten Bürger*innen zu acht Empfehlungen für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele weiterentwickelt.
Zunächst identifizierten die Teilnehmenden in zugelosten Gruppen zentrale Bedarfe. In einem zweiten Schritt diskutierten sie ihre Ansätze mit Fachexpert*innen, prüften die Machbarkeit und entwickelten ihre Vorschläge in thematischen Arbeitsgruppen weiter. Beim abschließenden Termin wurden die Empfehlungen finalisiert und gemeinsam beschlossen. So entstand ein strukturierter Prozess, in dem unterschiedliche Perspektiven nicht nur gesammelt, sondern in konkrete und abgestimmte Ergebnisse überführt wurden.
In einem Jugendforum kamen zusätzlich 20 junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren aus verschiedenen Berliner Bezirken zusammen, um sich mit der Bewerbung und ihren möglichen Auswirkungen auseinanderzusetzen. Sie erarbeiteten eigene Empfehlungen, stellten diese vor und priorisierten sie. Diese Ergebnisse flossen als eigenständige Empfehlungen in die Bürger-Charta ein.
Unsere Leistungen
Zebralog konzipierte, plante und begleitete den Beteiligungsprozess über mehrere Formate und Zielgruppen hinweg. Wir entwickelten ein Beteiligungsdesign, das analoge und digitale Formate sinnvoll miteinander verband und die unterschiedlichen Zugänge der Beteiligten berücksichtigte. Dazu gehörten die Konzeption und Moderation der Stakeholder-Workshops, die Begleitung der Online-Beteiligung, die Durchführung der Kiez-Tour gemeinsam mit den beteiligten Partnern sowie die methodische und moderative Ausgestaltung von Jugendforum und Bürgerforum. Darüber hinaus bereiteten wir die Inhalte verständlich auf, strukturierten die Diskussionen und sorgten dafür, dass Ergebnisse nachvollziehbar dokumentiert und in die weitere Bearbeitung überführt werden konnten.
Wirkung und Weiterführung
Die Ergebnisse aus den verschiedenen Beteiligungsformaten wurden in einer Bürger-Charta gebündelt, die im Roten Rathaus symbolisch an den Regierenden Bürgermeister und die Senatorin für Sport übergeben wird. Ergänzend entsteht ein ausführlicher Beteiligungsbericht, der die Resultate differenziert nach Formaten aufbereitet. Der Prozess zeigt, wie Beteiligung in einem politisch und öffentlich stark beachteten Kontext so gestaltet werden kann, dass unterschiedliche Stimmen Gehör finden, Empfehlungen konkret werden und tragfähige Grundlagen für die weitere Entwicklung entstehen.
Projektteam und Mitwirkende
Dr. Sarah Ginski-Thiele
Dario Pösse
Elena Seip
Juliane Henn