© Frank Sperling / Grün Berlin GmbH

Spreepark Berlin – Vom Lost Place zum neuen Parktypus

Wie von Geisterhand dreht sich das Riesenrad. Rostrot heben sich die Gondeln vom satten Grün der umliegenden Wälder und Wiesen ab, wandern in den strahlend blauen Himmel empor und kehren an den Boden zurück. Es ist der Wind, der die Gondeln in einer Endlosschleife vor sich hertreibt. Fast meint man, ein angstvolles Kreischen aus dem nahegelegenen Spreeblitz zu vernehmen. Doch die einstige Achterbahn ist längst stillgelegt.

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Im Jahr 2016 übernahm die Grün Berlin GmbH als landeseigenes Unternehmen Berlins den Spreepark, der mit dem prägenden Riesenrad einst Freizeitaushängeschild der DDR war. Nach der Wende wurde der Park durch einen privaten Betreiber mit spektakulären Fahrgeschäften wie dem fliegenden Teppich, einer Wildwasser- und Dino-Bahn und natürlich dem Spreeblitz komplett umgestaltet. Doch die erhofften Besucherzahlen blieben aus, so dass der Spreepark 2001 seine Tore schloss. Seitdem fristet der Park im Dornröschenschlaf, aus dem er nun erweckt werden soll.

Obwohl man den Geist des quirligen Freizeitparks noch spürt, herrscht hier inzwischen idyllische Ruhe. Von der Wildwiese nebenan weht ein Blütenduft herüber. Dort könnten in Zukunft Skulpturen einer aufstrebenden Künstlerin stehen oder ein kleines Konzert stattfinden, denn der Spreepark soll als Ort für Kunst, Kultur und Natur wiedereröffnet werden. Zu diesem Ergebnis kam ein zweijähriger Planungs- und Beteiligungsprozess dessen Ergebnis ein Rahmenplan war.

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Noch ist im Spreepark keine Kunst zu sehen. Stattdessen spazieren 35 Menschen über die maroden Wege, und versuchen sich vorzustellen, wie die Zukunft des Parks aussehen könnte. Es handelte sich um Stakeholder und Akteure aus den Bereichen Kunst, Kultur und Natur sowie um Vertreter*innen des Bezirks Treptow-Köpenick und des Senates, die sich seit Beginn der Planungen für den Spreepark interessieren. Manche von ihnen haben bereits Theateraufführungen im Spreepark organisiert, andere sind auf der Suche nach neuen Orten für kulturelle Veranstaltungen und wieder andere setzten sich vor allem für naturschutzfachliche Belange ein. Auf der alten Trasse des Spreeblitzes können sie sich einen verschlungenen Entdeckungspfad vorstellen. Die Hauptwege müssten hingegen barrierefrei und beleuchtet sein, diskutiert die Gruppe.  

Der Spaziergang ist Teil des Beteiligungsprozesses zur Vertiefung des Rahmenplans und zur Vorbereitung der Objektplanung, der 2019 von Zebralog konzipiert und umgesetzt wird. In einer Konzeptionswerkstatt konnten die interessierten Akteure aus den Bereichen Kunst, Kultur und Natur mit Bezirk und Senat zunächst selbst erarbeiten, wie sie und die breite Öffentlichkeit beteiligt werden möchten. Etwa 20 von ihnen begleiten den Prozess seitdem kontinuierlich in einer Beratungsgruppe. Kern der Beteiligung 2019 sind die Themenwerkstätten, in denen bestimmte Inhalte tiefergehend diskutiert werden. Bislang fanden drei solcher Werkstätten zu den Themen „Kunst und Kultur“, „Erholung, Gastronomie und Service“ sowie „Verkehr und Erreichbarkeit“ statt – weitere werden folgen.

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Wie groß das Interesse am Spreepark ist, konnte man im September erleben, als der Park an einem Wochenende ausnahmsweise seine Tore für die Öffentlichkeit öffnete. Insgesamt über 40.000 Besucher*innen schlenderten an zwei Tagen an den Überresten übergroßer Dinosaurier, dem alten Tassen-Karussell und der Werkhalle entlang, schwelgten in Erinnerungen oder spannen neue Ideen für den Park. Soweit möglich, sollen die Relikte des einstigen Freizeitparks erhalten bleiben, jedoch neu interpretiert werden. Im ehemaligen Cinema, einem heute verfallenen 180°-Kino, könnte demnächst die Geschichte des Parks ausgestellt werden, über die Schienen des Spreeblitzes könnten die Besucher*innen wie über einen Catwalk flanieren und das einstige Dinoland könnte zur Picknickwiese werden.

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Die Frage, wie sich Kunst, Kultur und Natur in Zukunft miteinander vereinbaren lassen, wurde – anknüpfend an die Fragen aus den Themen-Werkstätten – am Tag des offenen Spreeparks in drei Themen-Talks mit der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Zusätzlich konnten die Besucher*innen an einer langen Tafel Rückfragekarten ausfüllen. Auf diese Weise kamen rund 1.400 Anregungen zu künftigen Kulturnutzungen, Angeboten im Park, Nachhaltigkeit und Verkehrsfragen zusammen.

Inzwischen sind die Tore des Spreeparks wieder geschlossen und werden es vorerst bleiben, bis die Planungen abgeschlossen sind und ein Bebauungsplan erarbeitet wurde. Der Dialog mit den Stakeholdern und der interessierten Öffentlichkeit über die Zukunft des Spreeparks wird jedoch weitergehen.

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